30.04.2012

Chläggi ein Eldorado (nicht nur) für Vögel

Bilder: Markus Müller, Löhningen

Die IG Lebensraum Klettgau wurde vor vier Jahren Partei unabhängig von Martina Munz, Hallau und Markus Müller, Löhningen ins Leben gerufen um den Lebensraum Klettgau als solchen zu erhalten, den Warnfinger dort ver- hindernd aufzustrecken wo er bedroht wird und dort zu fördern wo es der nachhaltigen Ent- wicklung als Wohn- und Arbeitsraum dient. Mit Ausflug in die Vogelwelt unter dem Titel „Chläggi zu Land und in der Luft“ ging es unter anderem darum, zu zeigen was mit be- scheidenen Mitteln aber mit Landbesitzern, Bewirtschaftern und Behörden die am selben Strick ziehen erreicht werden kann. An die fünfzig Personen liessen sich von der frühen samstäglichen Morgenstunde nicht abschre- cken und fanden sich bei der Neunkircher Badi ein, wo sie von Roger Roth als Vertreter der IGLK und von den beiden Exkursionsleitern Markus und Gaby Jenny in Empfang genom- men und gleich Richtung Widen geführt wurden. Der im Zürcher Oberland wohnhafte Biologe schilderte vorgängig die Entstehung des ein- zigartigen Nebeneinander von intensiv genutz- ter Landwirtschaft mit der mittlerweile höchsten Artenvielfalt. Entstanden ist das ganze aus dem Ansiedelungsprojekt Rebhühner durch die Vogelwarte Sempach und begünstigt wurde es durch die spezielle geologische Struktur des Bodens die sich in der letzten Eiszeit begründet. Der steinige rasch und warm abtrocknende Trog über dem riesigen Grundwassserstrom biete ideale Voraussetzungen für eine Arten- vielfalt und die dadurch eher kargen Böden seien mit dem wieder entdeckten Anbau von Emmer und Eichhorn speziell für die Boden- brüter sehr geeignet. Und prompt wurde die aufmerksame Schar durch den typischen Ver- treter der Bodenbrüter, die Feldlerche begrüsst und auf dem ganzen Rundgang begleitet.

Win-Win Situation

Jenny bereitete darauf, dass er wohl bei jedem entdeckten Tier wieder begeistert von einem Eldorado sprechen werde. Und dies konnte er bei den zahlreichen Hasen die ohne Scheu über die Wiesen rammelten getrost tun, denn mit sechzehn Hasen pro Quadratkilometer sind die Widen gegenüber dem schweizerischen Durchschnitt von weniger als drei einsame Spitze. Die einhundertvierzig Feldhasenreviere in Eierform zwischen Neunkirch, Löhningen, Siblingen und Gächlingen seien eine absolute Ausnahme. Zahlreiche weitere Vögel wie Goldammer, Grauammer und Turmfalken konnten auf dem Rundgang beobachtet werden. Und mitten auf dem Feldweg sonnte sich ein Bergmolch in der Morgensonne. An der Exkursion der IGLK nahm auch der ganze Neunkircher Gemeinderat teil. Sie hätten eine solche Führung mit Markus Jenny schon lange vorgehabt, so Gemeindepräsident Franz Ebnöther. Dies zusammen zu tun war nicht nur sinnvoll sondern bot auch Gelegenheit zu Informationen aus erster Hand. Dass ein gemeinsamer Weg dort wo er möglich ist zum Ziel führt, wurde am Beispiel Widen klar. Die Gemeinde Neunkirch, die übrigens die Interessengemeinschaft ab Beginn mit Goodwill und einem finanziellen Zustupf unterstützt hatte, machte beim Projekt Widen aktiv mit unter anderem mit Gemeinde eigenem Land mit dem Resultat einer einzigartigen, Schweiz weit bekannt gewordenen Landschaft und Artenvielfalt und durchwegs zufriedenen Beteiligten. Der Neunkircher Gemeinderat und Bauer Hansueli Müller erläuterte denn auch die Abkommen mit den Landwirten und zeigte den positiven Einfluss auf die lokale Wasserwirtschaft auf. So wurde die Widenquelle freigelegt und wieder genutzt mit einer Wärmepumpe und als Brunnenwassser Lieferant. Durch den Effekt, dass auch der Nitratwert des Bodens kontinuierlich und signifikant gesenkt werden konnte, habe das Wasser wieder Trinkwasser Qualität erlangt. In der Neunkircher Badi wurden die Teilnehmer nach einem dreistündigen Marsch von der Schleitheimer Metzgerei Müller mit einem reichhaltigen Brunch Buffet begrüsst.

Markus Müller, Kantonsrat

Download als ZIP-Datei

<<  Zurück