13.12.2012, Klettgauer Zeitung

Errneuerbare Energie ist Trend

Die IG Lebensraum Klettgau informierte am Dienstagabend in Löhningen mit kompetenten Referenten über die mögliche Energiezukunft des Klettgaus.

Auch im Kanton Schaffhausen gibt es schon Projekte, es
könnten aber noch mehr sein, gerade erst im Chläggi.

Bild ZVG

Die interessanten Ausführungen der beiden Referenten Dionis Hallenbarter und Ueli Jäger hätten eine grössere Zuhöhrerschaft verdient, als die gerade mal 10 Personen, die sich im Kleeblattsaal in Löhningen eingefunden hatten. Dionis Hallenbarter, Initiator und Berater Energie Goms, zeigte Anhand von Zahlen und Grafiken auf, dass eine Energiewende möglich ist.

Langfristiger Nutzen der Projekte

Im Goms, Wallis, wurden bereits diverse Pro- jekte realisiert. Von Verbund-Holzheizanlagen bis Kleinwasserkraftwerke und Windanlagen. Er zeigte zudem auf, dass die Gemeinden aufge- schlossen sind für neue Projekte, auch wenn sie vor allem auf privater Basis von Energie- konzernen initiiert und umgesetzt werden. Die Gemeinden haben erkannt, dass wenn sie sich beteiligen, sie längerfristig ebenfalls einen Nutzen daraus ziehen können und gutes Geld verdienen. Goms ist zwar nicht direkt vergleichbar mit Schaffhausen, realisieren die Gomser doch die Haupteinnahmen aus dem Tourismus. Dionis Hallenbarter zeigte aber auf, dass kleine, sofort realisierbare Projekte, sogenannte leuchtturmprojekte, die bevölkerung zum Umdenken gebracht haben. Die Vision 35 Prozent weniger Energie bis ins jahr 2030 zu realisieren, ist hingegen noch in weiter Ferne. Zwar konnten die Energieträger zu Gunsten erneuerbarer Energien verwirklicht werden, weniger Strom verbraucht die Region aber noch nicht.

Leuchturmprojekte im Kanton Schaffhausen

Ueli Jäger von der Wirtschaftsförderung Schaffhausen konnte ebenfalls mit einer zukunfts- gerichteten Energie-Strategie aufwarten. Der Kanton habe bereits verschiedene Massnahmen in die Wege geleitet und ebenfalls Leuchtturmprojekte initiiert. Auch hier in Schaffhausen werden die Projekte von Privaten realisiert. Begleitet von Kanton, Stadt und Bund. Als erstes Projekt soll auf dem Chroobach oberhalb Hemishofen eine Windkraftanlage mit 5 Windrädern realisiert werden. Diese liefern 17.5 GWh Strom, das reicht für 4000 Haushalte. Der Standort habe sich als der geeignetste herausgestellt. Das Projekt ist schon weit fortgeschritten und bereits in der Prüfungs- und Bewilligungsphase. In Betrieb gehen soll es im Jahre 2017.

Noch kein Projekt im Klettgau

Die Frage war dann unumgänglich, ob es auch ein Energieprojekt Klettgau gebe. Leider ist hier noch nichts geplant, ausser die kleinen Holzverbundheizungen einzelner Unternehmen. Wo sind die Gemeinden eingebunden? Bei uns scheint sich der Gedanke, dass solche grössere Projekte aktiv von Gemeinden initiiert werden, noch nicht durchgesetzt zu haben. Die Vertreter der Landwirtschaft arbeiten unabhängig an einem Konzept für einen Solarpark und erneuerbare Energien. Dies läuft aber ausserhalb der kantonalen Wirtschaftsförderung.

Erfreulich ist auf jeden Fall, dass ein Umdenken stattgefunden hat. Erneuerbare Energien sind heute kein Fremdwort mehr. Die Realisierung in greifbare Nähe gerückt. So hat die IG Lebensraum Klettgau wiederum einen wertvollen Beitrag geleistet mit dieser Infoveranstaltung. Oder wie Co-Präsident Markus Müller bemerkte: «Zuerst haben wir die Stromleitungen in den Boden gebracht und jetzt kämpfen wir an vorderster Front für erneuerbare Energien.

Rolf Hauser


Energiepark Klettgau?

Rolf Hauser,
Neunkirch

Anlässlich der Infoveranstaltung der IG Lebensraum Klettgau vom vergangenen Dienstag wurde einem einmal so richtig bewusst gemacht, wie wenig die Gemeinden in solch überregionalen Projekten eingebunden sind. Sie werden wohl gefragt, ob sie etwas dagegen haben, aber abgeholt werden sie nicht. Bei den Ausführungen von Ueli Jäger stand überall nur der Kanton, die Stadt und private Unternehmen im Vordergrund. So brachte es Gusti Munz auf den Punkt, als er fragte, wo und wie sind die Gemeinden eingebunden? Betroffene Miene bei Ueli Jäger, der zugeben musste, dass in Schaffhausen offenbar andere Regeln gelten. Beim Windpark auf dem «Chroobach» sind die direkt betroffenen Gemeinden wohl eingebunden. Der Klettgau ist aber abgehängt und hat dazu nichts zu sagen. Schade eigentlich. Wäre doch eine Energieregion Klettgau ebenso interessant und förderungswürdig und es würden Synergien freigesetzt und neue Arbeitsplätze generiert. Was ebenfalls fehlt ist die übergeordnete Koordination bei der Realisierung von erneuerbaren Energien. Erstaunt hat schon, dass die Landwirtschaftsvertreter eigene Projekte realisieren wollen, ohne dass die Wirtschaftsförderung davon weiss. Nach meiner Meinung läuft es auch in diesem Bereich nicht optimal. Die Bevölkerung wird zu wendig informiert und miteinbezogen, genauso wie beim Regionalen Naturpark. Diese Entwicklung ist gefährlich und der Sache abträglich. Goms macht es uns vor. Eine ganze Region mit 5200 Einwohnern zieht an einem Strick. Die Leute werden in der Anfangsphase abgeholt und in die Entscheidung mit- eingebunden.

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