06.06.2012, Schaffhauser Nachrichten

Verdichtetes Bauen gegen Zersiedelung

Der Richtplanentwurf des Kantons stand im Zentrum des von der IG Lebensraum Klettgau durchgeführten Info-Anlasses mit dem Thema «Kann die Zersiede-lung im Klettgau gestoppt werden?».

von Hans-Caspar Ryser

Hans-Rudolf Meier (r.) erklärt Reto Dubach, Susanne Gatti
und dem Publikum seine Sicht der Dinge zum revidierten
Richtplanentwurf, der noch bis zum 20. Juni in der öffentlichen
Vernehmlassung ist.

Bild Hans-Caspar Ryser

Nicht nur Beringen, sondern praktisch alle Klettgauer Gemeinden verfügen über stark überdimensionierte Bauzonen. Dies sei denn auch der Hauptgrund für die zunehmende Zer- siedelung der noch weitgehend unverbauten Weiten des Klettgaus. Dies kam an der von der IG Lebensraum Klettgau in Hallau durchge- führten Veranstaltung mit dem Titel «Kann die Zersiedelung gestoppt werden?» klar zum Aus- druck. Gemäss Martina Munz, Co-Präsidentin der IG Lebensraum Klettgau, soll mit dem in Vernehmlassung gehenden revidierten Entwurf des Richtplans aufgezeigt werden, inwieweit sich die Zersiedelung der Landschaft im Klettgau überhaupt aufhalten lässt oder eben nicht.

Bauverdichtung nach innen

Zur Ausgangslage für den revidierten Richtplanentwurf zeigte Regierungsrat Reto Dubach auf, dass der ansteigende Wohnraumbedarf den Druck zur Überbauung und Zersiedelung in den reichlich vorhandenen Bauzonen erhöhe. Dazu komme, dass im Klettgau der Markt für vermietbare Wohnungen nicht funktioniere, da es davon zu wenig habe. Mit dem revidierten Richtplanentwurf soll ein massvolles Wachstum in den bestehenden Bauzonen bei einer zunehmenden Verdichtung nach innen ermöglicht werden. Dubach geht davon aus, dass mit einer besseren Nutzung der ausgeschiedenen Bauzonen im Klettgau Wohnraum für zusätzliche 50'000 Personen geschaffen werden könnte. Dabei soll das Wachstum auf die im Agglomerationsprogramm festgelegten Entwicklungsschwerpunkte wie Beringen konzentriert und der Verkehr darauf abgestimmt werden. Neueinzonungen seien höchstens für verdichtetes Bauen zuzulassen. Als weitere Massnahme gegen die Zersiedelung erwähnte Dubach die Schaffung von Kooperationsräumen unter den Gemeinden im Klettgau beim Zonenaustausch. Anschliessend präsentierte Susanne Gatti vom Planungs- und Naturschutzamt die wichtigsten Eckwerte des noch bis zum 20. Juni 2012 in Vernehmlassung stehenden revidierten Richtplanentwurfes. Bis zu diesem Zeitpunkt können Ergänzungsvorschläge auf der Homepage www.sh.ch/index.php?id=220 gemacht werden.

Auswirkungen auf die Gemeinden

Betreffend die konstatierte zunehmende Zersiedelung im Klettgau betonte Gemeindepräsident Hans-Rudolf Meier von Wilchingen, dass mit der Baulandhortung trotz überdimensionierter Bauzonen wieder neue Bauzonen ausgeschieden werden müssen. Diesem Missstand sei höchstens durch steuerliche Anreize beizukommen. Gar nichts hält Meier von der im revidierten Richtplan vorgeschlagenen Schaffung von Kooperationsräumen unter den Gemeinden beim Zonenaustausch, da dies politisch schlichtweg nicht umsetzbar sei. Um den Richtplan des Kantons in die Bauordnung der Gemeinde einfliessen zu lassen, sei es entscheidend, dass die Gemeinde in einem Leitbild die Entwicklungsschwerpunkte definiert habe. Um eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinde ohne Zersiedelung zu ermöglichen, sei die Abstimmung von Richtplan, Leitbild, Bau- und Nutzungsordnung sowie der daraus resultierenden Reglementen unerlässlich. Zudem seien im Richtplanentwurf insbesondere die angedachten Kooperati- onsräume sowie der überkommunale Zonenflächenabtausch zu hinterfragen und zu über- prüfen.

Rege Diskussion im Anschluss

Während der von Co-Präsident Markus Müller moderierten Diskussion erklärte Regierungsrat Dubach, dass mit Baulandrückzonungen der Zersiedelung aus Entschädigungs-gründen nicht beizukommen sei. Auch die Baulandhortung sei höchstens mit steuerlichen Anreizen zu entschärfen. Der Regierungsrat gibt sich überzeugt, dass mit der Baulandverdichtung nach innen und der Ausschöpfung der Baulandreserven in Entwicklungsschwerpunkten wie in Beringen der Zersiedelung im Klettgau am besten beizukommen sei. «Mit dem revidierten Richtplan wollen wir der Zersiedelung im Klettgau Einhalt gebieten und dank Entwick- lungsschwerpunkten den Bauboom auf Beringen beschränken.»

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