22.02.2012, Schaffhauser Nachrichten

Das Oberflächenlager interessiert

Die Nagra-Informationstagung fand in Beringen grossen Widerhall.

Von Markus Müller

Neuhausens Gemeindepräsident und Leiter der Regionalkon-
ferenz Südranden, Stephan Rawyler, sorgt sich um seine
Region.

Bild Markus Müller

Gut zweihundertfünfzig Personen hatten sich zur Diskussionsveranstaltung zu den Standort- vorschlägen der Nagra für Oberflächenanlagen in Beringen eingefunden. Der Anlass diente der Information und Aufklärung der Bevölkerung über das Projekt Tiefenlager für schwach und mittelradioaktive Abfälle und die Möglichkeiten der Mitwirkung. Bereits im ersten Referat von Monika Jost vom Bundesamt für Energie wurde klar, dass die Mitwirkung der Bevölkerung sehr klein ist und keine Möglichkeit zur Ablehnung vorgesehen ist. Lediglich im Rahmen der Re- gionalkonferenz Südranden könne über Ort und Gestaltung der Oberflächenanlage zur Umla- dung, Einpackung und Versenkung der wö- chentlich per Eisenbahn anzuliefernden Abfälle eine Meinung gebildet und könnten Empfeh- lungen abgegeben werden. Zugrunde liegt der Bundesbeschluss, dass Abfälle nach dem Verursacherprinzip im eigenen Land für die Ewigkeit gelagert werden müssen.

Markus Fritschi, Geschäftsleitungsmitglied Nagra, erläuterte das Prinzip der Tiefenlagerung. Es sei die sicherste Entsorgung, denn aus der Erfahrung der letzten einhundert Jahre sei die sich wandelnde Gesellschaft selber das grösste Problem. Ort und Gestaltung des Oberflächenlagers, das etwa fünf Hektar beanspruche, seien flexibel im Gegensatz zum eigentlichen Tiefenlager, und nur da sei eine bedingte Mitsprache möglich, betonte auch Fritschi und forderte zum positiven Mitdenken auf. Priorität hätten immer Sicherheit und vernünftige Machbarkeit.

Der Neuhauser Gemeindepräsident und Leiter der Regionalkonferenz Südranden, Stephan Rawyler, schilderte die spezielle politische Lage mit dem Anstösser Deutschland. Er machte keinen Hehl aus seinen grossen Bedenken und den Nachteilen für die Region. Er wies auf die Ineffizienz hin mit einem Arbeitsplatz pro dreieinhalb wertvollen Aren Industrieland und die völlig unzureichenden Mittel für Entschädigungen. Die Mitwirkung sei die Quadratur des Kreises mit unrealistischem Zeitdruck. Für sein engagiertes Auftreten erhielt Rawyler als einziger Referent spontan Applaus. Abschliessend bekräftigte Regierungspräsidentin Ursula Hafner den Willen der Regierung, den Gesetzesauftrag zu erfüllen und alles zur Verhinderung zu tun. Das Lager laufe allen Anstrengungen zur Entwicklung der Region und dem verdichteten Bauen zuwider. Die Möglichkeit, den Fachleuten direkt Fragen zu stellen, wurde rege, diszipliniert und akzentuiert kritisch benutzt.

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