17.02.2012, Schaffhauser Nachrichten

Kein Protest an Nagra-Info-Anlass

Der erste Info-Anlass bezüglich Oberflächenanlagen für ein allfälliges Atommüll-End- lager im Südranden fand am Mittwochabend in Hallau statt. Dort wurde der ebenfalls vorgeschlagene Standort in der Kiesgrube Banne auf Wilchinger Grenzgebiet vorgestellt.

Von Hans-Caspar Ryser

Sehr gesittet ging es zu während der Diskussion mit Michael
Aebersold (r.) und Markus Fritschi.

Bild Selwyn Hoffmann

Der Besucheraufmarsch an der Informations- veranstaltung der Nagra in Hallau hielt sich in Grenzen. Nur gerade gut hundert Personen fanden sich im Gemeindesaal von Hallau ein, um mehr über diesen vorgeschlagenen Stand- ort für eine Oberflächenanlage eines Atommüll-Endlagers im Südranden zu erfahren. Im Unterschied zu einer früheren Veranstaltung in Neunkirch blieben Protestkundgebungen, abge- sehen von einem Info-Stand Klar! Schaff- hausen, gänzlich aus.

Kein Theater, sondern solide Info …

Auch wenn der Anlass im Hallauer Theatersaal stattfinde, lade die Nagra zu keinem Theater, sondern zu solider Information mit anschlies- sender Diskussion ein, witzelte Moderator Urs Bachmann zu Beginn des Anlasses. Wohl aus Furcht vor ausufernden Grundsatzdiskussionen zur Atommüll-Endlagerung stellte Bachmann den Zuhörern eine Beschränkung des Diskussionsteils im Plenum in Aussicht. Nach Dis- kussionshalbzeit könne in vier kleinen Grüppchen weiter gefragt werden. Da im Unterschied zu Hohentengen und Marthalen diese Diskussionsbeschränkung in Hallau geschluckt wurde, endete der Diskussionsteil in einer beinahe peinlichen «Small-Talk-Übung» mit fast keinen Beteiligten.

Sachplanverfahren

Doch vor der Diskussionseröffnung liess Michael Aebersold vom Bundesamt für Energie in bewährter Manier die Vorgehensszenarien bei der Standortsuche zur Endlagerung atomarer Abfälle Revue passieren. Die Abfälle aus schweizerischen Atomkraftwerken, Forschungs- und Industriebetrieben sowie der Medizin müssten gemäss Verursacherprinzip im eigenen Land entsorgt werden. Das sei so im vom Volk genehmigten Atomenergiegesetz festgehalten. Damit je ein Endlager bis zum Jahr 2035 für schwach- und mittelradioaktive Abfälle und bis zum Jahre 2045 für hochradioaktive Abfälle gebaut seien, habe der Bundesrat die Vorgehensweise in einem Sachplanverfahren festgehalten. Zu Beginn der zweiten Etappe dieses Szenarios müsse bis Ende 2012 auch der Oberflächenstandort für die Region Südranden definiert sein, dies unter Anhörung der Regionalkonferenz.

Markus Fritschi von der Nagra erläuterte anschliessend die Funktion der vorgesehenen Oberflächenanlagen: Hier würden die bislang in einem Zwischenlager gestapelten Abfälle angeliefert und umgeladen. Von hier aus gelangten die in Zementblöcken eingeschlossenen schwach- bis mittelradioaktiven Abfälle entweder über eine Rampe oder über einen Schacht in das geologische Tiefenlager. Gemäss Fritschi stellt der Grundwasserstrom im Klettgau kein Hindernis für eine solche Oberflächenanlage dar, da der Abstand des Transportstollens zum Grundwasserspiegel gross genug sei.

Beschränkte Möglichkeiten

In seiner Funktion als Präsident der Regionalkonferenz Südranden stellte Stephan Rawyler anschliessend dieses Gremium der regionalen Partizipation vor. Mit der Regionalkonferenz Südranden sollen auch die Klettgauer Gemeinden und Organisationen die Möglichkeit erhalten, die regionalen Aspekte in das Auswahlverfahren für ein Atommüll-Endlager oder eine Oberflächenanlage einzubringen. Rawyler machte keinen Hehl daraus, dass die Regionalkonferenz beschränkte Möglichkeiten hat. So könne sie keine bindenden Beschlüsse fassen, sondern lediglich Empfehlungen abgeben. Zudem stünden die 91 Beteiligten unter einem enormen Zeitdruck.

Keine Opposition bei Diskussion

Nachdem Regierungspräsidentin Ursula Hafner-Wipf nochmals in Erinnerung gerufen hatte, dass der Kanton gesetzlich verpflichtet sei, darauf hinzuwirken, dass auf Kantonsgebiet und in der angrenzenden Nachbarschaft keine Lagerstätten für radioaktive Abfälle errichtet werden, leitete Moderator Bachmann zur zeitlich beschränkten Diskussion über.

Aus der Antwort auf die erste Frage ging hervor, dass eine solche Oberflächenanlage 150 Arbeitsplätze umfassen und ein Investitionsvolumen von 2 Milliarden Franken auslösen würde. Auf eine weitere Frage von Kantonsrätin Martina Munz erklärte Markus Fritschi, dass auch beim Transportstollen des vorgeschlagenen Oberflächenstandorts Wilchingen/Hallau der erforderliche Abstand zum Grundwasser eingehalten werden könne. Zum Abfalltransport kämen sowohl Vertikalschächte als auch horizontale Stollen infrage. Auch sei die bei der Aufbereitung austretende gasförmige Radioaktivität von der Menge her vernachlässigbar. Der Jestetter Bürgermeisterin Ira Sattler wurde beschieden, dass 20 Oberflächenstandorte abgeklärt würden, um die grösstmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

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