21.01.2012, Schaffhauser Nachrichten

Drei Standorte im Klettgau vorgeschlagen

Die von der Nagra vorgeschlagenen drei Standorte für Oberflächenanlagen eines allfälligen Tiefenlagers Südranden befinden sich in Beringen, Wilchingen und Hallau. Die drei Gemeindepräsidenten haben dazu eine erste Stellungnahme abgegeben.

Von Hans-Caspar Ryser

Der eine vorgeschlagene Standort für eine Oberflächenanlage
befindet sich östlich der Kehricht- und Klärschlammbehand-
lungsanlage Hard in Beringen.

Die Anlage könnte laut Nagra aber auch in der Beringer Kies-
grube Buechbrunne gebaut werden.

Auf der Gemeindegrenze zwischen Wilchingen und Hallau, in
der Kiesgrube Banne, befindet sich der dritte von der Nagra
vorgeschlagene Standort.

Bilder Selwyn Hoffmann

Nun sind die Spitzen des Eisberges eines all- fälligen Atommüll-Endlagers Südranden geor- tet: Gemeint sind die gestern von der Nagra vorgeschlagenen drei Standorte zur Platzierung von Oberflächenanlagen für ein Tiefenlager Südranden für schwach- bis mittelradioaktive Atomabfälle.

Zwei der vorgeschlagenen Standorte befinden sich ausgerechnet in Beringen, der bevölke- rungsstärksten Gemeinde des Klettgaus, und zwar östlich der Kehricht- und Klärschlamm- behandlungsanlage Hard sowie in der Kies- grube mit Betonwerk Buechbrunne. Der dritte vorgeschlagene Standort liegt in der Kiesgrube Banne auf der Gemeindegrenze zwischen Wilchingen und Hallau.

Vom Dorf Beringen einsehbar

Das Besondere an den beiden vorgeschla- genen Beringer Standorten ist gemäss den von der Nagra mitgelieferten Standortbeschrieben, dass beide Oberflächenanlagen zur Behand- lung von Atommüll zumindest von den oberen Dorfteilen aus gut einsehbar wären. Und bereits hier ortet Gemeindepräsident Hans Rudolf Schuler einen wichtigen Nachteil der beiden vorgeschlagenen Standorte. «Psychologisch ist das Wissen um eine oberirdische Anlage zur Behandlung von Atommüll das eine; doch eine solche Anlage jeden Tag anschauen zu müssen ist dann nochmals was anderes», betonte Gemeindepräsident Schuler.

Regionale Entwicklung tangiert

Mehr als erstaunt zeigte sich der Beringer Ge- meindepräsident in einer ersten Stellungnahme den SN gegenüber, dass ausgerechnet im Ge- biet eines der von Bund und Kanton definierten wichtigsten regionalen Entwicklungsschwer- punkte der Agglomeration Schaffhausen zwei derartige Standorte vorgeschlagen werden. Ein solcher Standortentscheid hätte gemäss Schuler für die Entwicklung der ganzen Region schwerwiegende Folgen, insbesondere was die Entwicklung bezüglich Neuzuzüger und neuer Firmen anbelangt.

Das einzig Positive, was Schuler den beiden Standortvorschlägen der Nagra abgewinnen kann, ist, dass die Bevölkerung damit wachgerüttelt und für die Problematik sensibilisiert werde. Obwohl der Vorschlag für solche Oberflächenanlagen im von der Nagra definierten Ablauf der Standortevaluation für Atommüll-Endlager so definiert wurde, sei es müssig, solche Oberflächenstandorte ohne Tiefenlager vorzuschlagen.

Kein gegenseitiges Ausspielen

Zum weiteren Vorgehen erklärte Schuler, dass die beiden Standortvorschläge im Gemeinderat besprochen würden, bevor dann die sozioökonomischen Auswirkungen eines solchen Oberflächenstandortes an der Regionalkonferenz Südranden thematisiert würden.

Dabei dürfe es auf gar keinen Fall passieren, dass sich die drei betroffenen Gemeinden gegenseitig ausspielen, sondern sie müssten geeint und stark sowohl gegen das Tiefenlager als auch gegen einen Oberflächenstandort auftreten. Denn nur so könne dem vom Kanton gesetzlich vorgegebenen Widerstand gegen ein Atomendlager Südranden entsprochen werden.

Direkt auf Grundwasserstrom

Am dezidiertesten gegen eine eine solche Oberflächenanlage ist die Stellungnahme von Hans-Rudolf Meier, Gemeinedepräsident von Wilchingen, ausgefallen. Die Gemeinde Wilchingen werde sich mit allen Mitteln sowohl gegen ein Atommüll-Endlager Südranden als auch gegen den von der Nagra vorgeschlagenen Standort für eine Oberflächenanlage einsetzen. Dies stehe denn auch im Einklang mit dem von den Wilchinger Stimmbürgern beschlossenen Leitbild zur zukünftigen Entwicklung der Dörfer Wilchingen und Osterfingen. Das vorgeschlagene, fünf Hektaren umfassende Gebiet in der Kiesgrube beim Bannbuck liege direkt über dem Grundwasserreservoir des Klettgaus. Zudem sei die vorgeschlagene Ober- flächenanlage vom eigentlichen Wirtgestein des Südrandens zu weit entfernt.

Partout keine Stellungnahme wollte Gemeindepräsident Werner Pfistner von Hallau abgeben. Zuerst wolle er die heikle Thematik im Gemeinderat sowie mit Wilchingen besprechen.

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