07.11.2011, Schaffhauser Nachrichten

Regionalkonferenz: Kritik geäussert

Der Startschuss zur Regionalkonferenz Südranden, die die Suche nach einem Atom- müll-Endlager begleiten soll, ist am Samstag gefallen.

Von Marielle Moser

An der von Stephan Rawyler (Mitte, sitzend) geleiteten Regio-
nalkonferenz wurde öfter abgestimmt.

Bild Marielle Moser

Nach Benken verfügt nun auch der Südran- den als potenzieller Atommüll-Endlagerstand- ort über eine Regionalkonferenz. Am Samstag trafen sich rund achtzig Teilnehmende zum ersten Mal, um gemeinsam die Basis der künftigen Arbeit festzulegen. Die Rahmenbe- dingungen für die Standortsuche, die vom Bund im sogenannten Sachplan Geologische Tiefen- lager festgelegt wurden, haben die Anwesen- den dabei kritisch hinterfragt: So wurde die Frage aufgeworfen, warum die beiden Regio- nalkonferenzen Südranden und Zürich Nordost nicht enger miteinander arbeiteten. «Ressour- cenverschleiss» tönte es aus der Versammlung immer wieder, überschneiden sich doch die beiden Regionen geografisch sehr stark. Zu- dem arbeiten oft dieselben Leute in den Fachgruppen. Der Zürcher Kantonsrat Markus Späth hat diesbezüglich einen Antrag formuliert, der die Zusammenlegung der Fachgruppen beider Regionen vorsieht. Der Antrag, der insbesondere die Fachgruppen «Sicherheit», «Oberflächenanlagen» und «Sozioökonomische Wirkungsstudie und Entwicklungsstrategien» umfasst, stiess zwar nicht auf vollständige Zustimmung. «Es ist noch zu früh, um uns bereits jetzt mit Zürich Nordost zusammenzulegen», sagte etwa Präsident Stephan Rawyler. Ausserdem seien er und der Schaffhauser Stadtpräsident Thomas Feurer bereits in der Leitungsgruppe von Zürich vertreten, womit eine enge Zusammenarbeit bereits erleichtert werde. Späth zog darauf seinen Antrag zurück. Die Regionalkonferenz ist aber, wie zahlreiche Stimmen aus der Versammlung deutlich gemacht haben, einer vertieften Zusammenarbeit mit dem grossen Nachbarkanton nicht abgeneigt. Rawyler schlug vor, dass die Fachgruppen beider Regionen gemeinsam tagen sollten.

Durchweg einig war sich die Versammlung in Bezug auf die Fachgruppe «Sozioökonomische Wirkungsstudie und Entwicklungsstrategie» (SÖW): Die Regionalkonferenz bemängelte die vom Bund vorgeschriebene Methodik, welche die Auswirkungen eines Atommüll-Endlagers auf die Gesellschaft untersucht, jedoch das Image der Region gänzlich auslässt. Auch die Akzeptanz der Bevölkerung wird nicht untersucht. Für den Gächlinger Harald Jenny ist das völlig unverständlich: «Gerade die Akzeptanz für ein Atommüll-Endlager ist wesentlich, wenn man die Bedürfnisse der Bevölkerung erfassen will.» Auch der SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr kann diesen Entscheid nicht nachvollziehen: «Als Atommüll-Endlagerstandort hätte Schaffhausen viel zu verlieren: Bereits jetzt wollen sich bestimmte Unternehmen nicht niederlassen, weil sie den Bau eines Tiefenlagers fürchten.» Michael Aebersold vom zuständigen Bundesamt erklärte, dass der Aspekt der Akzeptanz nicht objektiv zu beurteilen und somit nicht geeignet sei. Ausserdem hätten Langzeitstudien im Ausland ergeben, dass die Bevölkerung ein Tiefenlager nach dessen Bau viel besser akzeptiere als vorher. Die Regionalkonferenz will sich jedoch dafür einsetzen, dass die Akzeptanz und das Image in der SÖW berücksichtigt werden. Schliesslich hängt von diesen beiden Aspekten einiges ab, so ob die Tourismusregion Schaffhausen als Endlagerstandort gewählt würde. Rawyler versprach, dieses Thema weiter zu verfolgen und an der nächsten gemeinsamen Tagung vorzubringen. Diese findet im Januar 2012 statt; damit bleibt für die Mitglieder genügend Zeit, um zunächst Fachgruppen zu bilden und sich in die verschiedenen Themen einzuarbeiten.

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