09.02.2011, Schaffhauser Nachrichten

Atommüll-Endlager: «Wir sitzen alle im selben Boot»

Die Bürgerinitiative «Klar! – Kein Leben mit atomaren Risiken» führte kürzlich ihre Jahreshauptversammlung durch. Gastrednerin war die SP-Kantonsrätin Martina Munz.

«Wir sind alle Versuchskaninchen», so sieht die engagierte SP-Kantonsrätin Martina Munz die Rolle der Bevölkerung, die beiderseits der Grenze in der Umgebung des geplanten Endlagers für den Schweizer Atommüll leben muss. Denn wegen der vielen offenen Fragen gilt für sie: «Ein sicheres Endlager gibt es nicht.» In ihrem Vortrag auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung der Bürgerinitiative «KLAR! – Kein Leben mit atomaren Risiken» in der Singener Gems erklärte die Berufsschullehrerin aus der kleinen Klettgaugemeinde Hallau auch, warum sie das so sieht. Es fängt an mit der Dicke der Opalinustonschicht, in die der Atommüll eingelagert werden soll. Während die Schweiz 100 Meter als ausreichend ansieht, hält das Stuttgarter Umweltministerium eine solch geringe Schichtdicke für völlig ungeeignet. Weiterhin führte Martina Munz unter anderem die Wärmeentwicklung des heissen Atommülls, die mangelnde Korrosionsbeständigkeit der Stahlbehälter, die Gesteinsverletzungen durch kilometerlange Zufahrtsstollen und die Reaktionen der Betonverkleidung mit dem Wirtsgestein an. All dies stellt die Sicherheit des Lagers für sie in Frage. Die SP-Kantonsrätin sieht zu viele Fragen ungelöst, insbesondere auch die Folgen der Einwirkungen von 10 bis 15 Eiszeiten, die das Lager bis zum Abklingen der gefährlichen Atomstrahlung überstehen muss.

Zeit ist noch nicht reif

Weitere Schwachpunkte sind für sie die Rückholbarkeit und die Lagermarkierung über die vielen Jahrtausende. «Die Rückholbarkeit steht nur auf dem Papier», so Martina Munz. Denn die wenigen «Versuchsstollen» sollen nur für einige Zeit überwacht werden, und nach einigen Jahrtausenden droht die Gefahr, dass die Lagerstelle bei der Suche nach Rohstoffen angebohrt wird. Für Martina Munz ist deshalb die Zeit noch nicht reif für den Baubeginn. Ausserdem brauche es klare Szenarien für den Atomausstieg. Auch mit den Mitspracherechten der Bevölkerung ist sie nicht zufrieden. Die vorgesehene Partizipation hält sie für eine «Beruhigungspille», da nur bei irrelevanten Sachen wie der Gestaltung der Oberflächenanlagen mitentschieden werden darf.

Die Kantonsrätin hält den Widerstand der Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze für unbedingt notwendig, da die Mehrheit der Volksvertreter im Schweizer Parlament die Atomlobby vertritt. «Und die Atomlobby hat viel Geld und kann sich Medienunterstützung erkaufen», so Martina Munz. Deshalb der Schlussappell an ihre Zuhörer: «Wir sitzen alle im gleichen Boot. Unsere Region ist kein Versuchslabor für radioaktive Abfälle. Wehrt euch.» (R. E.)

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