20.11.2010, Schaffhauser Landzeitung

Gemeinsames Bekenntnis gegen den Bau eines Atommüll-Endlagers

Kein atomares Versuchsgebiet im Klettgau

Der Bund habe Angst vor Opposition ist «Klar! Schweiz»-Präsident Jean Jacques Fas- nacht überzeugt. Er und seine Mitstreiter bekräftigten den solidarischen Widerstand gegen ein Atommüll-Endlager.

von Lukas Schweizer

Umringt von zahlreichen Medienvertretern - sogar das deutsche ARD-Fernsehen war anwesend - versenken Strahlen- menschen Atommüllfässer symbolisch im Rheinfall

Bild Lukas Schweizer

«Ein Atommüll-Endlager ist ein Reinfall», riefen die mit Totenmasken ausgestatteten «Strah- lenleute» auf der Aussichtskanzel beim Schloss Laufen und hoben ihre gelben, mit Totenköpfen versehenen, Giftfässer in die Luft. Gerade so, als wollten sie diese den Rheinfall hinunter schmeissen.

Diese Aussage und alle andern an der Medienkonferenz vom Mittwoch waren unmissver- ständlich: Wir wollen keine Atommüll-Endlager. Weder im Südranden, noch im Zürcher Weinland, aber auch nicht in der nördlichen Lägern – nirgends.

Vergleich mit «Titanic»

«Ein Endlager ist Utopie», sagt die Hallauer SP-Gemeinderätin und Präsidentin von «Klar! Schaffhausen» Gabriela Buff. Sie weist auf die verschiedenen Gefahren hin, die ein Endlager mit sich bringe und von der Nagra nicht beachtet würden: Etwa darauf, dass es keine Vorstellungen gebe, wie ein solches Endlager überwacht werden soll. Aber die Nagra verfolge stur das «Aus-denAugen-aus-dem-Sinn-Prinzip».

«Wir fordern, dass der Klettgau nicht zum atomaren Versuchsgebiet Europas wird», so Martina Munz, Co-Präsidentin der Interessengemeinschaft Lebensraum Klettgau und Schaffhauser SP-Kantonsrätin. Ein Endlager darf aus ihrer Sicht mit dem heutigen Wissensstand nicht gebaut werden. Sie ruft den Untergang der «Titanic» vor Augen. Damals hätten alle geglaubt, das Schiff könne nicht untergehen. Ein einziger Eisberg habe aber für die Katastrophe gereicht.

Mehrheit wird lauter

Der Neuhauser Gemeindepräsident Stephan Rawyler (FDP) geht auf den Austragungsort der Medienkonfe- renz ein, das Schloss Laufen ob den Rheinfall. Der Rheinfall sei das wich- tigste Tagestouristen-Ziel der Schweiz. Und er befinde sich mitten im Gebiet Zürcher Weinland–Süd- randen–nördliche Lägern. Wenn in dieser Region ein Endlager gebaut werde, seien all die Anstrengungen, die für die Vermarktung unternom- men worden seien, umsonst gewe- sen. Es würden riesige Schäden entstehen. «Dagegen werden wir uns wehren», so Rawyler. Er verkündet darum gleich den Beitritt der Ge- meinde Neuhausen zur Organisation «Klar!» und betont die Wichtigkeit, dass der Protest von allen betrof- fenen Regionen solidarisch ausgeübt werde.

Dies unterstreichen auch die beiden Vertreter aus dem Zürcher Weinland, Jean Jacques Fasnacht, Präsident von «Klar! Schweiz» und Markus Späth, Feuerthaler Gemeinde- und Zürcher Kantonsrat (SP). Bis jetzt sei der Widerstand aus dem Weinland noch spärlich gewesen, musste Fasnacht zwar zugeben, doch das werde sich jetzt ändern. Denn der Bund habe Angst vor Opposition.

Auf Bundesebene übt der Schaffhauser SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr Druck aus. Die Atomkraftbefürworter hätten in letzter Zeit Siege errungen. Etwa dadurch, dass an der Spitze des Bundesdepartements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) nun nicht mehr der Atomkraftgegner Moritz Leuenberger, sondern die Befürworterin Doris Leuthard stehe. Fehr will mittels einer parlamentarischen Initiative erreichen, dass im Kernenergiegesetz wieder verankert wird, dass den Kantonen keine Atomendlager aufgezwungen werden dürfen.

«Die schweigende Mehrheit wird lauter», wie es Jean Jacques Fasnacht ausdrückte.

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