18.11.2010, Schaffhauser Nachrichten

«Endlager - So ein Reinfall»

Die Gegner eines Atommüll-Endlagers in der Region luden gestern zur Medien- konferenz. Dabei sollte auch das «schlafende» Weinland geweckt werden.

von Daniel Wunderli

In einer Inszenierung von Klar! Schaffhausen drohten
Maskierte gestern, Atommüll in den Rheinfall zu werfen.

Bild Selwyn Hoffmann

Starke Worte reichen für einen Protest nicht aus, es braucht auch starke Bilder. Das hat die breite Gegnerschaft eines Atommüll-Endlagers in der Region verstanden. Die gelben Fässer, Symbol der Gefahr, begleiten fast jede ihrer Aktionen. An der gestrigen Medienkonferenz im Schloss Laufen wurde sogar eine kleine Inszenierung geboten. Orchestriert von Klar! Schaffhausen, rollten ein Dutzend Personen, mit Gruselmasken verkleidet, die gelben Fässer an den Rheinfall und drohten, sie in die Gischt zu werfen: «Endlager – So ein Reinfall!»

«Die Probleme sind nicht gelöst»

Der Neuhauser Gemeindepräsident Stephan Rawyler fasste dieses Sinnbild an seinem kurzen Vortrag in Worte: «Wie kann man hier, beim wichtigsten touristischen Tagesziel der Schweiz ein Endlager bauen?» Es sei richtig, dass Schaffhausen geschlossen gegen ein Endlager im Südranden und im Weinland kämpfe. «Wir wollen nicht zum Abfallkübel der Schweiz werden.»

Die Präsidentin von Klar! Schaffhausen, Gabriela Buff, wies derweil auf die Gefahren und ungelösten Probleme eines Endlagers hin. Auf seismische Aktivitäten, die kaum vorhersehbar seien und die Wasserwege verändern könnten, auf das Fehlen von optimalem Behältermaterial und auf die offene Frage, wie die folgenden Generationen davor gewarnt werden sollen, dass unter ihren Füssen ein Endlager liegt. «Das Atommüllproblem ist keineswegs gelöst.»

«Wir wollen nicht zum Abfallkübel
der Schweiz werden. Dagegen
müssen wir uns wehren»

Stephan Rawyler
Gemeindepräsident Neuhausen

Diese Meinung teilte die Schaffhauser Kantonsrätin Martina Munz. Der Versorgungsnachweis sei nicht erbracht, «der Klettgau darf nicht zum Atomversuchslabor der Welt werden.» Dabei handle es sich nicht um Sankt-Florians-Politik. «Wir kämpfen gegen alle möglichen Endlagerstandorte, solange die Wissenschaft noch nicht so weit ist, den Atommüll auf sichere Art zu entsorgen.» Bis die Wissenschaft eine Lösung ge- funden habe, müsse der atomare Abfall in einem sicheren Zwischenlager aufbewahrt werden.

Nationalrat Hans-Jürg Fehr warnte, dass dem Bundesamt für Energie nun der «Atomturbo» Doris Leuthard vorstehe. Die populäre Bundesrätin sei ein neuer starker Widersacher für die Endlagergegnerschaft. Fehr kündigte an, einen Vorstoss im Nationalrat zu lancieren, der den Standortgemeinden wieder die Möglichkeit geben soll, ein Veto gegen das Endlager einzulegen. Die Standortregionen müssten eine echte Möglichkeit zur Mitsprache bekommen «und nicht so ein pseudodemokratisches Anhörungsverfahren, das zurzeit läuft».

Protest im Weinland anfachen

Sicherlich, viel Neues gab es an der gestrigen Medienkonferenz der Endlagergegner nicht zu hören, die Argumente sind bekannt. Das war aber wohl auch nicht der Zweck des Auftritts. Vielmehr ging es darum, den Protest am Leben zu halten, ihm Gehör zu verschaffen und ihn gerade auch im Weinland anzufachen, wo es bisher noch recht ruhig geblieben ist. «Wir schauen nicht ohne Neid über den Rhein, wo man sich mit einer gemeinsamen Stimme gegen das Endlager wehrt», sagte Markus Späth, Feuerthaler Gemeinderat und Zürcher Kantonsrat. «Die Zürcher Behörden verstecken sich hinter dem Forum Opalinus.» Es brauche jetzt eine klare Stellungnahme aus Zürich. «Wir wollen nicht auf dem Müll hocken bleiben, nur weil bei uns der Widerstand am geringsten ist.

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