10.11.2010, Schaffhauser Nachrichten

Widerstand gegen Endlager Südranden

Widerstandsstrategien gegen ein Atommüll-Endlager im Südranden bildeten das Thema der von der IG Lebensraum Klettgau durchgeführten Infoveranstaltung. Auch eine Delegation des erfolgreichen Widerstandes am Wellenberg war zugegen.

von Hans-Caspar Ryser

Während der vergangenen Tage prägten die gewaltlosen Protestdemonstrationen in Deutsch- land gegen die Castor-Transporte von Atombrennstäben die Schlagzeilen. Doch nun hat der Atommülltransport den Bestimmungsort mit zweitägiger Verspätung erreicht. Aller Protest umsonst?

Bild H.-C. Ryser   Bild H.-C. Ryser   Bild H.-C. Ryser

Othmar Schwank plädierte für eine sichere Zwischenlagerung

 

Paolo Fuchs ermunterte die Schaffhau- ser zum beharrlichen Widerstand

 

Für Daniel Leu bleibt die Rückholbarkeit von Abfällen ein Thema

Bilder H.-C. Ryser

Beharrlichkeit im Widerstand

Die beharrliche Verfolgung der von einer breiten Bevölkerung getragenen Widerstandsstra- tegie könne sehr wohl die Einrichtung eines Atommüll-Endlagers in einer Region verhindern. Das betonte Paolo Fuchs vom Widerstand für den Wellenberg anlässlich der Diskussionsver- anstaltung der IG Lebensraum Klettgau zum Anhörungsverfahren und Widerstand Atommüll-Endlager Südranden. Und der muss es ja wissen.

Mit der Hartnäckigkeit der früheren Urkantone zur Befreiung von fremden Vögten habe die Bevölkerung der Region Wolfenschiessen/Engelberg so lange erbitterten Widerstand geleistet, bis die Nagra den Endlagerstandort Wellenberg fallen liess, getreu der Erkenntnis, dass ein Endlager dort gebaut wird, wo der Widerstand der Bevölkerung am geringsten ist.

Richtige Strategie entscheidend

Wie Paolo Fuchs betonte, sei es mit einigen medienwirksamen Demonstrationen nicht getan. Die Widerstandsbewegung Wellenberg gründe auf einer wohldurchdachten Strategie, welche allen politischen Widerständen zum Trotz durchgezogen worden sei. Im Unterschied zum Kanton Schaffhausen, wo die Regierung sogar über einen gesetzlichen Auftrag zur Verhinderung von Atommüll-Endlagern verfüge, habe die damalige Nidwaldner Regierung aus pekuniären Interessen der Nagra angeboten, im Kanton Probebohrungen für ein Endlager durchzuführen. Und dieser Verrat der Regierung habe dann die Bevölkerung zum Widerstand wachgerüttelt und rechtzeitig geeint.

Sozioökonomische Auswirkungen

Die sozioökonomischen Auswirkungen seien für die fast ausschliesslich vom Tourismus ab- hängige Region unbezifferbar gewesen. Die im ganzen Tal an den Bergflanken angebrachten Widerstandsparolen wie «Hütet Euch am Wellenberg» oder «Atommüll im Wellenberg: nie» seien auch vom Tourismus mitgetragen worden, zumal langjährige Feriengäste sogar den Grossteil der finanziellen Mittel für den Widerstand aufgebracht hatten ...

Das Wellenberg-Widerstandsmodell sei nicht auf Schaffhausen übertragbar. Doch empfahl Fuchs den Schaffhausern, unbedingt den Rheinfall als Scharnier zwischen den Atommüll-Endlagern Benken und Südranden klug in den Widerstand einzubringen.

Startmoderator vom Südranden

Etwas nüchterner zu und her ging es dann bei der von Othmar Schwank präsentierten Funktion als sogenannter Startmoderator im Rahmen des vom Bundesamt für Energie vorgegebenen Partizipationsverfahrens bei der Standortevaluation für ein Endlager. Beim nach wie vor reichlich undurchsichtigen Sachplanverfahren kritisierte er insbesondere den viel zu engen Zeitrahmen und die fehlende Möglichkeit für die Bevölkerung, bei sicherheits- relevanten Fragen mitzureden. Während der Opalinuston als Lagergestein wissenschaftlich unbestritten sei, zeitige das vorgängige Handling des Atommülls noch viel zu viele Un- sicherheiten. Schwank plädierte deshalb vehement für eine Zwischenlagerung von Atommüll in bestehenden Stollen.

Diese Argumentation wurde denn auch von Daniel Leu, Fachbereichsleiter Tiefenlager radioaktive Abfälle des interkantonalen Labors, unterstützt. Dabei sprach er sich ebenfalls klar für eine gewährleistete Rückholbarkeit von Atomabfällen aus. Leu unterstützte auch die von Schwank geforderte Einführung alternativer Energien zur Eindämmung des nach wie vor anfallenden Atommülls. Diese Vorgehensweise wurde dann auch in der anschliessenden Diskussion klar unterstützt.

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