13.12.2013, Schaffhauser Nachrichten

Die A98: Ein weiterer Zankapfel am Rhein

Die Hochrheinautobahn A98 ist von Baden-Württemberg nicht in die Liste priorisiert behandelter Strassen aufgenommen worden. Beim Regionalverband Hochrhein-Bodensee und beim Landkreis Waldshut ist man darüber erbost, beim Kanton Schaffhausen eher erleichtert.

Von Jean-Claude Goldschmid

So soll der Streckenverlauf der Autobahn A98 aussehen: Eine Autobahn, die auch für Schaffhausen eine grosse Bedeutung haben würde.

Bild Regierungspräsidium Freiburg

Nicht nur die Bahnlinie von Erzingen nach Basel und deren Elektrifizierung geben beidseits des Rheins zu reden. Seit Jahren ist auch eine Autobahn von Rheinfelden nach Tiengen in der Diskussion, die A98 oder Hochrheinautobahn. Auch für Schaffhausen wäre sie wichtig, weil Basel so für Automobilisten näher an die Munotstadt rücken würde. Unter anderem war vor Jahren einmal eine Weiterführung der A98 durch den Klettgau vorgesehen, was allerdings schon länger kein Thema mehr ist.

«Nach Nordosten oder Südosten»

«Eine Weiterführung der A98 durch den Klettgau lehnt der Kanton entschieden ab», betont gleichwohl Regierungsrat Reto Dubach. Der Entscheid, die A98 nicht zu priorisieren, stimme durchaus mit den Schaffhauser Intentionen überein. Dubach würde – wenn schon – eine Weiterführung der A98 ab Lauchringen nach Nordosten durchs Wutachtal oder nach Südosten in Richtung Glattfelden favorisieren. Priorität hat für Dubach allerdings nach wie vor eine leistungsfähige, durchgängig elektrifizierte Bahnverbindung Schaffhausen–Waldshut–Basel. Im Übrigen könne die Schweiz zwar nicht über die A98 bestimmen, wohl aber ihren Einfluss geltend machen und zu den Planungen Stellung nehmen, etwa in der Hochrhein-Kommission. Dubach glaubt auch nicht, dass die Hochrheinbahn und die Hochrheinautobahn – die nicht vor 2025 zu erwarten sei – in einem Konkurrenzverhältnis zueinander stünden: Die Realisierung der Autobahn habe nichts mit der Elektrifizierung der Zugstrecke zu tun.

«Masslos enttäuscht»

Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur des deutschen Bundeslands Baden-Württemberg hat die Hochrheinautobahn nun in der Strassenbaukonferenz des Landes als «Sonderfall» eingestuft und nicht in die Priorisierungsliste für Autobahnen und autobahnähnliche Strassen aufgenommen. Bedeutet dies den endgültigen Todesstoss für die A98? Der Waldshuter Landrat und Verbandsvorsitzende des Regionalverbandes Hochrhein-Bodensee, Tilman Bollacher – CDU-Politiker in einem rot-grün regierten Bundesland –, ist über den Entscheid in Stuttgart jedenfalls «masslos enttäuscht», wie er in einer entsprechenden Medienmitteilung vermeldete. Gerade vor dem Hintergrund eines umfassenden Bürgerbeteiligungsprozesses sei es nicht akzeptabel, wie das Land mit der A98 verfahre. Bollacher hält den Hinweis, dass die Daten für eine abschliessende Bewertung nicht zur Verfügung stehen würden, schlicht für eine Ausrede, um sich nicht zugunsten einer Hochrheinautobahn zu positionieren. «Damit werden die wahren Absichten klar«, so Bollacher. «Hier am Hochrhein sollen alle Lösungen vereitelt werden, und das Ende des gesamten Projekts wird in Kauf genommen.» Seine Region erfahre keine Unterstützung aus Stuttgart und wehre sich entschieden gegen diese Vorgehensweise, so Bollacher weiter. Es sei völlig unklar, wie die als Sonderfälle abgestuften Vorhaben behandelt und finanziert würden. Und es sei «ein verheerendes Zeichen an den Bund für die Aufstellung des neuen Bundesverkehrswegeplans 2015». Die Region engagiere sich intensiv im Bürger- forum am Hochrhein.

Es bestehe Einigkeit bei allen Beteiligten, dass eine dringende Entlastung durch eine leistungsfähige Ost-West-Verbindung am Hochrhein notwendig sei. Dies werde aktuell auch in einem vom Land Baden-Württemberg und vom Bund beauftragten Gutachten zur verkehrs- wirtschaftlichen Untersuchung bestätigt. Dort werde festgehalten, dass die Entlastungswirkung bei einer vierstreifigen Autobahntrasse am grössten und zumindest ein dreistreifiger Ausbau notwendig sei.

«Nicht durch die Schweiz»

«Eine A98 durch
den Klettgau
lehnen wir ab»

Reto Dubach
Regierungsrat

«Die Region hat gehofft, dass die A98 seitens des Landes Baden-Württemberg priorisiert wird», hält auch Michael Swientek vom Amt für Kultur, Archivwesen und Öffentlichkeitsarbeit des Landratsamt Waldshut fest. «Die Einstufung der A98 als Sonderfall kann aber derzeit noch nicht abschliessend beurteilt werden.» Eine Konkurrenzsituation im Hinblick auf die Eisenbahn sieht indes auch Swientek nicht. Es gelte am Hochrhein vielmehr, Strasse und Schiene zu optimieren. Letztlich sei dafür auf deutscher Seite der Bund zuständig. «Wir werden unseren politischen Einfluss in Berlin geltend machen», so Swientek.

Eine Weiterführung der A98 durch die Schweiz stehe allerdings derzeit sicher nicht zur Diskussion, betont der Waldshuter. Auch eine aktuelle Verkehrsuntersuchung bestätige die Tendenz, dass die A98 östlich von Lauchringen nicht fortgeführt werde, sondern dass dann auf das bestehende Strassennetz zurückgegriffen werde.

Einzelne Teile schon fertig

Einzelne Teile der Hochrheinautobahn sind übrigens bereits fertiggestellt. So wurde der 12 Kilometer lange Abschnitt zwischen der A5 bei Weil am Rhein und Lörrach-Ost bereits 1986 beendet. Das knapp 7 Kilometer lange Teilstück A98.10 bei Tiengen und Lauchringen im Osten wurde 1997 gebaut, der 9,1 Kilometer lange Abschnitt A98.7 von Murg über Laufenburg nach Hauenstein im Oktober 2012. Ein Teilstück dieses Abschnitts ist übrigens bereits 2004 fertiggestellt worden, als Ortsumfahrung von Luttingen.

Ausserdem wurde im Dezember 2010 ein letztes Teilstück des 11 Kilometer langen Abschnitts zwischen Lörrach-Ost und Rheinfelden vierspurig dem Verkehr übergeben. Dieser Teil der A98.4 schafft gemeinsam mit der Querspange durch den Nollingerberg-Tunnel, einer neuen Rheinbrücke und der Gemeinschaftszollanlage Rheinfelden eine Verbindung zum Schweizer Autobahnnetz. Damit wurde Verkehrsdruck vom chronisch überlasteten Grenzübergang bei Weil am Rhein genommen, und die beiden Rheinfelden konnten vor einem Verkehrskollaps bewahrt werden. Die Gesamtkosten dieser Etappe betragen rund 220 Millionen Euro.

Der gesamte Abschnitt A98.4 ist allerdings noch nicht komplett fertig. Langfristig ist allerdings schon ein Anschluss der A98 an die Autobahnnetze von Frankreich und der Schweiz geplant.


«Der Einfluss der Schweiz auf Priorisierungen und Baufortschritte ist klein»

«Die A98 ist eine deutsche Angelegenheit», hält Thomas Rohrbach, Pressesprecher beim Bundesamt für Strassen (Astra), fest. Der Einfluss der Schweiz auf Priorisierungen, Planungs- und Baufortschritte sei entsprechend klein. Regelmässige Sitzungen der gemischten Kommission Deutschland–Schweiz für grenzüberschreitende Strassenfragen würden immerhin einen Informationsfluss gewährleisten. Es sei aber klar, dass sich eine durchgehend ausgebaute A98 auf den grenzüberschreitenden Strassenverkehr, die Grenzübergänge entlang des Rheins und vor allem auf die Zollabfertigung des Schwerverkehrs auswirken würde. Auch die A4 Schaffhausen–Winterthur könnte betroffen sein. Heute gelte sie als Engpass auf dem Nationalstrassennetz, weswegen sie ab 2018 auf vier Fahrstreifen mit Richtungstrennung ausgebaut werde – dies unabhängig von der A98. (jcg)

<<  Zurück