29.10.2011, Schaffhauser Nachrichten

Swissgrid hält an Freileitungen fest

Die nationale Netzgesellschaft Swissgrid will Erfahrungen mit der Erdverkabelung von Hochspannungsleitungen sammeln. Zunächst setzt sie aber weiter auf Freileitungen.

Zwar sollen erdverlegte Hochspannungsleitungen geprüft
werden, Freileitungen bleiben aber die Regel.

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Der Zeitplan der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid sieht vor, dass bis zum Jahr 2020 rund 1000 Kilometer Hochspannungsleitungen saniert oder teilweise neu gebaut werden. Diese Erneuerung sei unabdingbar, betonte Peter Grüschow, Verwaltungsratspräsident der Swiss- grid, gestern vor den Medien in Zürich.

Gelinge die Erneuerung der überalterten Lei- tungen nicht, bestehe ein erhöhtes Risiko für Stromblackouts. Ein Stromausfall koste 4 bis 5 Millionen Franken pro Minute, rechnete Grü- schow vor. Swissgrid will deshalb zusammen mit Bundesrätin Doris Leuthard Wege finden, um das Bewilligungsverfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Den Ausbauplänen der nationalen Netzgesell- schaft steht jedoch ein zunehmender Druck aus der Bevölkerung gegenüber, wie Swiss- grid-Chef Pierre-Alain Graf einräumte. Die Akzeptanz für Infrastrukturbauten habe in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen und der Ruf, Höchstspannungsleitungen unter die Erde zu verlegen, sei lauter geworden.

Studie soll Diskurs versachlichen

Um die «emotionale Debatte zu versachlichen», hat Swissgrid bei der Technischen Universität Ilmenau D eine Metastudie zu den Vor- und Nachteilen von Freileitungen und Kabelleitungen ausarbeiten lassen. Laut Graf wurden dabei erstmals für den europäischen Raum alle zwischen 2000 und 2011 erstellten Studien aufgearbeitet und zusammengefasst.

Die Studie kommt zum Schluss, dass der heutige Stand der Technik und die Kosten klar für Freileitungen sprechen. Erdverkabelungen würden in Europa vor allem auf tieferen Netzebenen bis 150 Kilovolt (kV) eingesetzt, sagte Dirk Westermann, der Verfasser der Studie. Im Übertragungsnetz mit 380 kV seien Verkabelungen noch kaum erprobt. Swissgrid stehe Erdverkabelungen unvoreingenommen gegenüber, so Graf. In gewissen Fällen habe die Verlegung von Leitungen unter die Erde auch Vorteile. Die Netzgesellschaft sei jedoch nicht bereit, sich beim Übertragungsnetz in ein technologisches Abenteuer zu stürzen und die Versorgungssicherheit zu gefährden.

Basis für die künftige Projektierung bleibe deshalb weiterhin die Freileitungsvariante. Swissgrid werde jedoch bei Netzprojekten bereits in der Planungsphase mögliche Verkabelungslösungen in die Überlegungen mit einbeziehen. Eine gangbare Alternative sei auch eine Kombination von Freileitungen und Erdverkabelungen.

Jedes Projekt genau prüfen

In jedem Fall müssten aber Bauvorhaben individuell evaluiert und auf einem umfassenden Kriterienkatalog abgestützt sein, der auf dem «Prüfungs- und Beurteilungsschema Kabel- freileitung» des Bundesamtes für Energie basiere, erklärte Graf. Ein solcher Kriterienkatalog werde Anfang 2012 erarbeitet sein. Um praktische Erfahrungen zu sammeln, will Swissgrid an einzelnen Orten Pilotprojekte mit Erdverkabelungen von 380-kV-Leitungen durchführen. Wo das der Fall sein wird, will die Netzgesellschaft Anfang des Jahres bekannt geben.

Bevor ein Einsatz von Erdkabeln auf der Höchstspannungsebene in Erwägung gezogen werden könne, müsse genau abgeklärt werden, welche Auswirkungen eine Verkabelung auf den Bau, den Betrieb und die Instandhaltung des Übertragungsnetzes sowie auf Mensch und Umwelt hätten, hiess es an der Medienkonferenz. (sda)

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