20.11.2010, Tages-Anzeiger

Für das Bundesamt für Umwelt gehört das Kabel in den Boden

Im Streit um die 110-Kilovolt-Leitung am Horgenberg erhält der lokale Protest Unter- stützung aus Bern.

Arthur Schäppi

Die Stromleitung am Horgenberg führt durch eine Landschaft
von nationaler Bedeutung.

Foto: Silvia Luckner

Horgen/Wädenswil – Seit die Pläne der Axpo für einen Ausbau der 8 Kilometer langen Strom- leitung Horgenberg–Wädenswiler Berg von 50 auf 110 Kilovolt publik wurden, sorgt das Vorhaben für politische Spannungen. Gegen das erste, 665 Meter lange Teilstück Nordecke–Moorschwand am Horgenberg sind beim Eidge- nössischen Starkstrominspektorat 26 private Einsprachen und eine vorsorgliche Einsprache der Gemeinde eingegangen. Verlangt wird darin unisono, was zuvor schon die Interessenge- meinschaft (IG) Lebensraum Horgen Horgen- berg Arn mit einer von 1306 Personen unter- zeichneten Petition gefordert hatte: die Erdver- kabelung der heutigen Betonmasten-Leitung zum Schutz der Landschaft und des Erho- lungsgebiets.

Davon will die Axpo allerdings nichts wissen. Sie machte bislang vor allem finanzielle Gründe gel- tend und wies auf die ungleich aufwendigeren Wartungs- und Reparaturarbeiten bei Erd- leitungen hin. Mittlerweile haben auch vom Eidgenössischen Starkstrominspektorat einberufene Einspracheverhandlungen keine Annäherung der Standpunkte gebracht. Eine entsprechende Mitteilung der IG Lebensraum vom Freitag wird vom Starkstrominspektorat bestätigt.

Bund und Kanton uneins

Uneins waren sich bei diesen Verhandlungen auch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) und das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Während das Awel im Ausbau der Freileitung keine Verletzung des Landschaftsschutzes sieht und das Vorhaben als be- willigungsfähig erachtet, verlangt das Bafu eine Verkabelung der Leitung.

Zwar verändere sich das Landschaftsbild mit dem Ausbau der Freileitung nicht wesentlich, räumte das Bafu im Vernehmlassungsverfahren ein. Weil die Hochspannungsleitung aber über ein Glazialgebiet führe, das im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung enthalten sei, solle beim Ausbau mit der Verkabelung und dem Abbruch der Freileitung eine «grösstmögliche Schonung» der Landschaft angestrebt werden. Eine Erdverkabelung – möglichst im Bereich bestehender Wege – dränge sich umso mehr auf, als bereits die Zuleitung von Thalwil zum Horgenberg im Boden verlegt sei. «Die Rückendeckung durch das Bundesamt für Umwelt bestärkt uns, zusammen mit der Gemeinde weiterhin entschlossen für die Erdverkabelung zu kämpfen», kommentiert Thomas Krähenmann von der IG Lebensraum die Stellungnahme des Bundesamtes.

Für Axpo «unverhältnismässig»

Die Axpo dagegen argumentiert im Vernehmlassungsverfahren: «In Anbetracht der vorge- sehenen geringfügigen Änderungen an der rund 40-jährigen Freileitung erachten wir eine Verkabelung, die den Rückbau der gesamten Freileitung ermöglichen würde, als unver- hältnismässig.» Nach dem Scheitern der Einigungsverhandlungen bleibt der Axpo nun gemäss Auskunft des Starkstrominspektorats bis Ende Jahr Zeit, um allenfalls nochmals über die Bücher zu gehen.

Können die Differenzen nicht ausgeräumt werden, reicht das Starkstrominspektorat das Dossier, wie in solchen Fällen üblich, zum Entscheid ans Bundesamt für Energie weiter. Bei der Axpo war gestern keine Stellungnahme zum weiteren Vorgehen erhältlich.

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