Stellungnahme

Anhörungsantwort zum Sachplan geologische Tiefenlager, Etappe 1

Kein Atommüll-Endlager im Kanton Schaffhausen und in den angrenzenden Regionen

Für ein sicheres Atommüll-Endlager fehlen die wissenschaftlichen Erkenntnisse

Hochradioaktive Strahlung kann in kleinsten Mengen tödlich sein und kann bei einer Kontami- nation zu unwiderruflichen Erbgutveränderungen führen. Die Risiken für Mensch und Umwelt in der grossräumigen Region sind gross und bedrohen die nachfolgenden Generationen über 1'000'000 Jahre. Noch existiert keine wissenschaftlich gefestigte Methode für eine sichere Endlagerung von atomarem Abfall. Weltweit ist kein Endlager für hochradioaktive Abfälle in Betrieb. Es sind noch unzählige Fragen offen.

Fragen zur Rückholbarkeit und Langzeitüberwachung

Langzeitüberwachung ist nur über kurze Zeit (ca. 50-100 Jahre) vorgesehen. Rückholbarkeit ist bis zum endgültigen Verschluss möglich aber nicht vorgesehen. Wie kann heute vorausge- sagt werden, wie sich die mit Atommüll gefüllten Endlagerstätten während 100‘000 Jahren bzw. einer Million Jahren verhalten?
Was geschieht, wenn die radioaktive Strahlung die sie umgebenden Bauten strukturell schwächt und in die Umgebung austritt?
Wie wird das Verursacherprinzip für die Rückholbarkeit garantiert, wenn keine finanziellen Rückstellungen für die Rückholung vorgesehen sind? Wer zahlt eine allfällige Rückholung der Abfälle vor oder nach dem endgültigen Verschluss?

Fragen zum Verhalten des Wirtsgesteins und zu den Verpackungsmaterialen

Die abdichtende Eigenschaft von Opalinuston ist mit grosser Sicherheit nur gewährleistet, wenn die Gesteinsschicht nicht verletzt wird. Wie kann ein Zugangsstollen in die Opalinuston-Schicht erstellt werden ohne die Dichtigkeit der Opalinuston-Schicht zu schwächen?
Es ist bis heute noch kein geeignetes Material für die Verpackung bekannt, das in Kontakt mit dem Wirtsgestein nicht korrodiert und standhaft genug ist. Wie soll der Atommüll verpackt werden und für 100‘000 Jahre bis eine Million Jahre gelagert werden?

Fragen zur Markierung

Wie kann ein Atommüll-Endlager langfristig sicher markiert werden und damit vor allfälligen Untergrundkonflikten (Tunnels, Kiesabbau, Geothermie) geschützt werden?
Wie können die einzelnen Behälter identifiziert werden, so dass nach langen Zeiträumen klar gekennzeichnet ist, was in den Behältern lagert und wo sich diese genau befinden?
Wie wird sichergestellt, dass die im Opalinuston gelagerten Atommüllfässer von den kommenden 4'000 bis 40'000 Generationen nicht vergessen werden?

Fragen zum Schutz vor Naturereignissen

Wie kann ein Atommüll-Endlager vor Naturereignissen wie Erdbeben, Überflutungen oder gar einer kommenden Eiszeit geschützt werden, da keine von diesen Ereignissen ausgeschlossen werden können? In einer Million Jahre sind rund 10 Eiszeiten zu erwarten. Die Gletscher werden vermutlich durch die weichen Schottertäler wie den Klettgau und das Weinland (Benken) fliessen und dabei den Untergrund massiv stören.

Ein Atommüll-Endlager verhindert eine nachhaltige Entwicklung der Region

Das wirtschaftliche Potenzial des Kantons Schaffhausens und der Region Klettgau liegt in der intakten Landschaft.

Die Studie zur Abschätzung der sozioökonomischen Effekte im Kanton Schaffhausen hat eindeutig gezeigt, dass ein Atommüll-Endlager in der Region die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Kantons negativ beeinträchtigen wird. Ein Atommüll-Endlager ist für die Region ein genereller Standortnachteil. Für einen kleinen Kanton wie der Kanton Schaff- hausen wiegt dieser Nachteil proportional viel stärker als für einen grossen Kanton.
Ein Atommüll-Endlager bringt einen massiven Imageschaden mit sich. Dies wird zu einem Zerfall der Immobilienpreise führen. Die erwünschte Entwicklung des Kantons Schaffhausen und der Region Klettgau als Wohn- und Wirtschaftsregion wird durch ein Atommüll-Endlager verunmöglicht.
Die Einlagerung von hochgiftigen Abfällen am Rande eines BLN-Gebietes (Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung) ist ein grundsätzlicher Widerspruch. Der Randen ist ein «Naturreservat» von nationaler Bedeutung und unersetzlich als Naherholungsraum.
Ein Atommüll-Endlager an den Standorten Südranden und Benken, unmittelbar an der Grenze zu Deutschland, belastet das gutnachbarschaftliche Verhältnis. Die deutsche Bevölkerung - ohne aus der Schweizer Atomstromproduktion je einen Nutzen zu ziehen - ist von den Risiken und negativen Auswirkungen im gleichen Ausmass betroffen wie die Schweizer Bevölkerung. Sie ist von der demokratischen Auseinandersetzung und der demokratischen Entscheidung(Volksabstimmung) vollständig ausgeschlossen.

Kein Atommüll-Endlager ohne demokratische Abstimmung der Standortregionen

«Kein Atommüll-Endlager soll einer Region aufgezwungen werden.» Das Zitat stammt vom Zürcher Regierungsrat Markus Kägi, Vorsitzender des zuständigen Ausschusses der Kantone (Info Nagra, Nr. 33, August 2010). Diese Aussage steht diametral zum geplanten Vorgehen der Nagra.

Der vorgegebene Partizipationsprozess ist höchst undemokratisch, damit unschweizerisch und inakzeptabel, auch wenn es gemäss KEG gesetzeskonform ist. Den Standortregionen wird nicht einmal zugestanden sich grundsätzlich gegen ein AtommüllEndlager auf ihrem Gebiet zu wehren. Die Standortkantone und Standortgemeinden müssen sich durch demokratische Abstimmungen abschliessend für oder gegen ein Atommüll-Endlager aus- sprechen können. Nie darf ein Atommüll-Endlager einer Region aufgezwungen werden.
Finanzielle Abgeltungen zur Köderung der politischen Gremien und der Bevölkerung sind unmoralisch und verwerflich. Sie dürfen nicht dazu benutzt werden, den Widerstand zu brechen.

Unabhängigkeit der Nagra und ihrer Aufsichtsbehörden ist nicht gewährleistet

Die Nagra ist von der Atomwirtschaft abhängig. Die Aufsichtsbehörden prüfen zwar die Arbeiten der Nagra. Doch gibt es keine zweite unabhängige Forschungsstelle, die die Nagra ernsthaft in Frage stellen würde.

Forderungen der Interessensgemeinschaft Lebensraum Klettgau (IGLK)

Die IG Lebensraum Klettgau weist den Sachplanverfahren als Ganzes und damit den Entsorgungsnachweis zur Neubeurteilung zurück. Bezüglich Entsorgung von Atommüll besteht kein Notstand. Die Technik und das Konzept zur Entsorgung atomarer Abfälle sind keineswegs ausgereift. Radioaktive Strahlung ist in kleinsten Mengen tödlich und kann zu schweren Erbgutschädigungen sowie Krebserkrankungen führen. Nach dem heutigen Stand der Technik atomare Abfälle endgültig zu entsorgen ist verantwortungslos gegenüber nachfolgenden Generationen. Die ganze Region würde zum atomaren Versuchslabor. Lebensfeindliche Experimente gehören nicht in dicht besiedelte Regionen.

Die IGLK verlangt ein neues Konzept:

1 Der radioaktive Atommüll darf vorerst nur in Zwischenlagern gelagert werden. Der Atommüll soll wie im heutigen Zwilag sicher gelagert, jedoch relativ einfach zugänglich und rückholbar sein. Nach Möglichkeit soll das Endlager unter der Erdoberfläche ange legt werden mit kurzen Transportwegen vom Entstehungsort der Abfälle. Das Endlager muss für 100 bis 200 Jahre gesichert, kontrolliert und finanziert sein. In dieser Zeit wird die Forschung weitere massive Fortschritte machen und nachfolgende Generationen können über die Verwendung des Atommülls gemäss neuen Technologien (z.B. Aktiniden-Präzipitation, Transmutation) entscheiden.
2 Sicherstellung der Finanzierung nach dem Verursacherprinzip für die Überführung in eine definitive und technisch ausgereifte Lösung. Die Überwachung muss für die ganze Dauer der Giftigkeit, also für 100'000 Jahre bzw. eine Million Jahre sichergestellt sein.
3 Wiedereinführung des demokratischen Entscheidungsprozesses in den Standortkanto nen und den Standortgemeinden. Ablösung des undemokratischen Partizipationsver fahrens durch ein demokratisches Mitspracheverfahren mittels lokalen Urnengangs.
4 Einbindung der betroffenen Nachbarschaft (Deutschland) für einvernehmliche Lösungen.

Atommüll-Endlager bergen Jahrtausende lang hohe Risiken für Mensch und Umwelt. Für die Region Klettgau ist ein Endlager mit hochradioaktivem Atommüll in Benken gleichermassen bedrohlich wie ein Endlager von schwach- und mittelradioaktivem Atommüll im Südranden.

für die IG Lebensraum Klettgau

Co-Präsidentin Martina Munz, Co-Präsident Markus Müller

Anhörungsantwort als PDF

Kopieren Sie die Stellungnahme, und ergänzen sie nach den eigenen Bedürfnissen. Je mehr Anhörungsschriften in Bern eingehen, desto wirksamer ist es.

Weitere Informationen finden Sie unter
Radioaktive Abfälle, BFE
Datenbank allgemeine Publikationen, BFE
Anhörungsantwort SES

<<  Zurück